Hybrides Format probieren – ein Praxisbericht (1)

Gegen Ende des Sommersemesters 2021, bei niedrigen Infektionszahlen, war auf dem Campus der RUB unter bestimmten Bedingungen wieder Präsenzlehre möglich. Das habe ich genutzt, um im Japanischunterricht einige Studierende im Seminarraum zu treffen, während die anderen wie immer online dabei waren. Manche Zweitsemester waren überhaupt zum ersten Mal auf dem Campus und als Kurs in einem Raum hatten wir uns noch nie getroffen.

Hier berichte ich über meine Motive für dieses Format und die Vorbereitungen. In späteren Teilen geht es um die Umsetzung und das Feedback der Studierenden.

INHALT

Wozu dieses Experiment?

Für den Begriff „Hybridunterricht“ hat sich noch kein allgemein akzeptiertes Verständnis ausgebildet. [1]Reinmann, Gabi: ‚Hybride Lehre – Ein Begriff und seine Zukunft für Forschung und Praxis‘. Impact Free: Journal für freie Bildungswissenschaftler, 35 , 2021. Manche verstehen darunter dasselbe wie unter „Blended Learning“, nämlich einen Mix aus Online- und Präsenzveranstaltungen. Andere fassen das enger und bezeichnen als hybrid solche Szenarien, in denen einige Teilnehmende gemeinsam in einem Raum (Klassenzimmer, Seminarraum) sind und andere online zugeschaltet. Um dieses Format geht es hier.

Mit Online- und Präsenzteilnehmern gleichzeitig zu interagieren wird häufig kritisch gesehen – etwa von Jöran Muuß-Merholz:

Ich wollte es ausprobieren, denn ich glaube, wir werden es an der Uni brauchen:

  • Es besteht der Wunsch nach wieder mehr Veranstaltungen in Präsenz, aber möglicherweise wird es nach wie vor Beschränkungen in der Personenzahl pro Raum geben. (An einem Campustag gibt es auch sehr viel mehr Kontakte als bei einem Tag an der Schule, wo im Klassenverband gelernt wird.)
  • Während einige Studierende sich nach Begegnung auf dem Campus sehnen, wollen andere gerne zumindest teilweise online weiterlernen.
  • Wenn manches online und anderes in Präsenz stattfindet, wird es oft vorkommen, dass Studierende eine Veranstaltung auf dem Campus und gleich anschließend eine online haben. Dann hilft es, wenn Online-Veranstaltungen asynchron sind (z.B. jederzeit abrufbare Vorlesungsvideos mit verschiedenen Austauschmöglichkeiten) oder wenn die Studierenden bei Veranstaltungen die Wahl haben, ob sie im Seminarraum oder von Zuhause aus teilnehmen wollen.

Für Hochschulen ist es also sinnvoll, hybride Veranstaltungen anzubieten, wenn nicht alles online bleiben soll. Dies gilt zumindest solange die Pandemie nicht weitestgehend unter Kontrolle ist – und vielleicht auch danach. Denn es sieht so aus, als hätten Online-Formate bei Lehrenden wie Lernenden viele Fans gewonnen.

Heißt das, wieder nur eine Notlösung anzubieten? Sollten wir nicht lieber von didaktisch wünschenswerten Formaten ausgehend visionieren?

Abgesehen davon, dass uns aus meiner Sicht nicht viel anderes übrig bleibt, macht ja bekanntermaßen Not erfinderisch, und ich bin zuversichtlich, dass gute Gestaltungsideen dafür entstehen werden.

Organisation im Vorfeld

Das habe ich gemacht:

  1. Gefragt, wie die Regeln genau sind, und ob wir anschließend auf der Wiese sitzen können. Tatsächlich sind die Antworten auch auf der Website der Uni zu finden, aber es gibt mittlerweile so viele Informationen an so vielen Stellen, dass ich doch zur Sicherheit lieber gleich bei den Leuten nachgefragt habe, die für die Organisation der Lehre in Corona-Zeiten zuständig sind. Hat sich gelohnt, war ein sehr nettes und informatives Gespräch.
  2. Einen Raum mit Hybrid-Technik gebucht. Davon hat meine Uni ca. 100 (https://www.it-services.ruhr-uni-bochum.de/services/sl/100-raeume-programm.html.de), und so musste ich mich um Geräte gar nicht weiter kümmern. Es galt also nur noch herauszufinden, wie viele Leute in dem Raum teilnehmen dürfen.
  3. Die Veranstaltungen ins Erfassungssystem eingegeben, damit die Kontaktnachverfolgung möglich ist. (Hier müssen sich die Studierenden zu der vorher angelegten Veranstaltung am Morgen anmelden und dort auch bestätigen, dass sie geimpft/genesen/gestestet sind.)
  4. Die Studierenden informiert, wie es läuft (Regeln, Wegbeschreibung, Kontaktnachverfolgung, WLAN). Viele waren ja noch nie auf dem Campus, also gehörte auch der Name der Haltestelle und ein Lageplan der Uni dazu, ebenso wie die Info zu eduroam. Und eine Gruppenwahl in Moodle eingerichtet, mit der sich die Studierenden zur Präsenzteilnahme anmelden können.

Fragen der Studierenden im Vorfeld

Was, wenn ich im Anschluss gleich die nächste Veranstaltung habe?

Das wird für das kommende Semester sicher eine der größeren Herausforderungen: Eine Veranstaltung auf dem Campus und gleich anschließend die nächste online. Der Campus wird Plätze brauchen, an denen man eine Online-Veranstaltung nicht nur anhören sondern sich auch daran beteiligen kann, ohne dass man damit die Umsitzenden stört. Die Infrastruktur ist aber nur eine Stellschraube. Andere Faktoren sind das Angebot von vielen synchron hybriden Veranstaltungen und von asynchronen Veranstaltungen.

Muss ich auf den Campus kommen?

Dem Frager war es lieb, dass er die Fahrzeit und den Stress einsparen und bequem von zuhause aus teilnehmen konnte. Schon vorher hatte eine Umfrage gezeigt, dass etwa die Hälfte der Studierenden lieber auf dem Campus und die andere lieber online teilnehmen wollen würde.

Werden die Regeln (Test, Kontaktnachverfolgung etc.) auch im Wintersemester gelten?

Da bin ich auch gespannt. Wir können jetzt planen – und wir planen so einiges auf dem Campus – aber das Infektionsgeschehen hat dann doch das letzte Wort.

Teilnahme

Pro Gruppe durften zehn Personen auf dem Campus teilnehmen. (In letzter Zeit sind online im zweiten Semester immer etwa dreißig pro Gruppe da.) Nach 10 Minuten war die Hälfte der Plätze gebucht, ein paar Stunden später war bis auf einen Platz alles vergeben. Bei der Viertsemestergruppe war der Andrang nicht so groß. In einer Gruppe waren es fünf in der anderen drei, die auf den Campus kommen wollten.

Hier geht’s zu Teil 2: Verlauf

References

References
1 Reinmann, Gabi: ‚Hybride Lehre – Ein Begriff und seine Zukunft für Forschung und Praxis‘. Impact Free: Journal für freie Bildungswissenschaftler, 35 , 2021.

Ein Gedanke zu „Hybrides Format probieren – ein Praxisbericht (1)

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